Freitag, 4. Februar 2011

Eigenwillige Geburtstagsfeier

Sie kennen solche Merkverse wie "Sieben fünf drei - Rom schlüpft aus dem Ei" oder den mit der Keilerei des Großen Alexander bei Issos.

Nun ist auch Bruchsal nicht arm an Großen - und sei es in deren eigener Anschauung. Das kurz bevorstehende Erreichen des Rentenalters eines von ihnen hat wenig überraschend zur Assoziation "Vierundzwanzig Drei - Ehrenbürgerei" geführt, wobei Anlass besteht, sich um die Gesundheit von Holler, der Waldfee zu sorgen, nachdem die diesmal hierfür offenbar nicht verantwortlich war. Aber möglicherweise ist die Erklärung hierfür ganz einfach und sie liegt nur noch tief im Winterschlaf.

Zurück zum eigentlichen Thema: Dieses wurde, wie zu hören war, rechtzeitig vor der über den Häuptern der Schwarzen dräuenden Landtagswahl "aus dem Ältestenrat" aufgebracht. Um nicht zu sagen: vermeintlich rechtzeitig vor der Terminierung von Gerichtsverfahren unterschiedlicher Zielrichtung, aber mit dem gleichen Protagonisten. In diesen dürfte dem Laudanden das Umschlängeln der ihm zugedachten Rolle schwerer fallen als in der entscheidenden Sitzung des Gemeindewahlausschusses zur Kommunalwahl 2009.

Sie erinnern sich: das war die Sitzung, in der die Wohnsitzfrage von Dr. Scherbel - zumindest laut Protokoll - nicht thematisiert wurde. Von Teilnehmern ist dem Vernehmen nach hierüber jedoch - abhängig von deren politischer Färbung - je Unterschiedliches zu hören.

Allerdings wurde dieses Ansinnen zwischenzeitlich vereitelt und die mittlerweile erfolgte Termininierung in beiden Angelegenheiten dürfte für den Ehrenbürgerkandidaten jedenfalls in einem Fall höchst ungelegen kommen. Muss er doch davon ausgehen, als zur Tatzeit amtierender Wahlausschussvorsitzender zu Zeugenaussagen über Hergang und Hintergründe der unappetitlichen Angelegenheit gebeten zu werden. Dass er dem an seinem 65. Geburtstag, an dem das Amtsgericht Bruchsal nunmehr die Strafsache Dr. Scherbel terminiert hat, eigene Gratulations- wenn nicht gar Huldigungspläne nur ungern hintanstellt, darf getrost unterstellt werden.

Ein kleiner Trost für das zunächst entgehende gesellschaftliche Großerereignis mag ja sein, dass er sich auf dem Zeugenbänkchen durchaus in längjährig vertrauter Gesellschaft wiederfinden dürfte - wenn auch andererseits das Platznehmen neben einem rechtzeitig bundesverdienten und parteigeehrten Altbürgermeister sicherlich der wohlbekannten Selbstzufriedenheit einen kleinen Abbruch tun wird.

Wenn, und das sei unterstellt, der Ältestenrat der Stadt Bruchsal seinem Namen gerecht wird und sich, was dieser andeutet, politischer und praktischer Weisheit rühmen darf, wird man dort und an anderer maßgeblicher Stelle erkennen, dass der Coup - zumindest vorläufig - gescheitert ist, und dem Alt-OB die Ehrung jedenfalls nicht in nahem Zusammenhang zu diesen doch unerfreulichen Zeiten andienen, sondern diese erst - für Alle und Ein- für Allemal - abgeschlossen wissen wollen.

Hierfür spricht im Interesse aller Manches. Ohne gleich an Dinge wie Auskunftsverweigerungsrechte denken zu müssen.

Pscht jetzt.

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