Ich habe mir manches zugute gehalten auf meine Überlegung, dass es keine letztlich beherrschbare Technik gäbe - man könnte mit gutem Grund auch das Autofahren verbieten, weil unabhängig von Leichtsinn, Alkohol und unvermeidlichen momentanen Aussetzern immer auch technisch etwas schiefgehen kann.
Wir haben uns als Gesellschaft dennoch dafür entschieden, das Autofahren - in einer momentan gültigen Abwägung - als erlaubt, da gegenüber vermeintlich beherrschbaren Gefahren als notwendig oder doch zumindest wünschenswert anzusehen - und sei es nur aufgrund der Bedeutung des Wirtschaftszweigs.
Und eine ähnliche Erwägung gab es bei mir eben auch im Hinblick auf Atomkraft: ein Risiko bleibt, aber wir haben ja verantwortliche Betreiber und Politiker, denen man als letztlich nicht Durchblickender glauben darf, dass der Weiterbetrieb der Atomkraft auch unter Risikogesichtspunkten eine vertretbare Entscheidung ist.
Nun, das war mal. Wie gesagt, ich hatte Unrecht. Das weiß ich jetzt und - anders als die meisten konservativen Politiker, die jetzt in abenteuerlichen Purzelbäumen versuchen, ihre Positionen zu retten - sage ich dies auch.
Mit einigem Ärger: ich habe mich verarschen lassen.
Jetzt - im Angesicht der Katastrophe in Fukushima, aber eigentlich in Reaktion auf die Manöver unserer bundesdeutschen und baden-württembergischen Großkopferten - wird klar, dass die "Sicherheitsparolen" nie - in Worten: zu keinem Zeitpunkt - glaubhaft waren.
Denn, vermutlich fällt Ihnen das auch auf: Es hat sich auch durch den GAU in Japan inhaltlich rein gar nichts geändert.
Geändert hat sich nur - in vielen Fällen, darunter auch bei mir - die Bewertung:
Auf einmal sieht man - ohne dass man dieser Einsicht durch liebgewordene Manöver ausweichen könnte - dass das Risiko, über deren Ausmaß im Realisierungfall nie ein Zweifel bestand, offenbar wesentlich realer ist, als man sich das eingestanden hat. Denn wer erinnert sich nicht an die Beteuerungen, dass unsere KKW unproblematisch "erdbebensicher"seien?
Und jetzt passiert diese Sache in Japan. Also nicht irgendwo im Iran, in Kasachstan oder Weißrussland, sondern in einem etablierten Hochtechnologieland, das daneben auch bekanntermaßen ein Hochrisikoterrain für Erdbeben ist - so dass man also allen Anlass gehabt hätte, den damit verbundenen Gefahren zu wehren.
Dass dies nicht geschehen ist, müssen wir jetzt schmerzlich beobachten. Und völlig egal, ob die aktuelle Katastrophe daher rührt, dass die Betreiber ihrer Verantwortung nicht gerecht geworden sind oder ob diese objektiv eben nicht beherrschbar sind: In beiden Fällen muss schnellstmöglich eine Wende in der Atompolitik - im Sinne des Ausstiegs - her.
Wäre es nicht schlimm genug, dass unter Umständen tatsächlich eine objektive Unbeherrschbarkeit von Erdbebengefahren, die auch im Oberrheingraben nicht von der Hand zu weisen sind, vorläge, scheint tatsächlich etwas wesentlich Entscheidenderes zu passieren:
Wie ließe sich nämlich erklären, dass Knall auf Fall in Deutschland Meiler stillgelegt werden, deren Sicherheit im Rahmen der Laufzeitverlängerung des letzten Herbstes noch nicht einmal thematisiert worden ist?
Innerhalb dieser Woche kann auch bei den Verantwortlichen keine wesentlich neue Erkenntnis eingetreten sein.
Nur eines hat sich - wie gesagt - geändert: die Bewertung.
Und diese Größe wird von Politikern halt nun mal in der Einheit Wählerstimmen gemessen.

Und die diesem Maßstab geschuldete Neubewertung soll dann jetzt so glaubhaft und authentisch sein wie letzte Woche noch das Gegenteil.
Ich bin Euch aufgesessen. Und das nehme ich übel.

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